"Brunnentyp"-Trakt: In Kuytuls Gefängnis erreicht die Sonne den Boden nicht
Am 14. September 2026 schilderte Ömer Hakseven, einer der Anwälte von Alparslan Kuytul, die Bedingungen im Gefängnis Erzurum Dumlu, in dem sein Mandant sitzt. Nach Haksevens Darstellung handelt es sich um eine Hochsicherheitsanstalt in der sogenannten „Brunnenbauweise": drei Stockwerke, auf jedem eigene Trakte, Hofmauern von rund 13 Metern. Selbst im Zenit erreicht die Sonne den Boden nicht; den Himmel sieht man nur, wenn man den Kopf ganz in den Nacken legt.
Im F-Typ-Gefängnis, in dem Kuytul zuvor saß, kamen Vögel in den Hof. Hakseven sagt, dieser Hof sei so tief, dass nicht einmal Vögel herunterkommen.
Die vollständige Erklärung des Anwalts
„Brunnentyp"
Ich möchte über die Haftbedingungen von Alparslan Hoca sprechen, der in Untersuchungshaft im Gefängnis Erzurum Dumlu sitzt.
Das Gefängnis, in dem er sich befindet, ist eine Hochsicherheitsanstalt in der sogenannten „Brunnenbauweise". Es hat drei Stockwerke mit jeweils eigenen Trakten. Die Mauern um den Hof sind etwa 13 Meter hoch. Man fühlt sich deshalb wie auf dem Grund eines Brunnens. Selbst wenn die Sonne am höchsten steht, erreicht sie den Boden nicht. Er erzählte, dass er manchmal auf einen Stuhl steigt und die Hände dem Licht entgegenstreckt, um etwas Sonne abzubekommen. Den Himmel sieht er nur, wenn er den Kopf ganz in den Nacken legt. Im Polizeigewahrsam schlief er drei Tage auf blanken Brettern, davon war sein Nacken verspannt, und in den ersten Tagen konnte er gar nicht nach oben schauen.
Im F-Typ-Gefängnis kamen die Vögel in den Hof. Aber dieser Ort ist so tief, dass nicht einmal Vögel herunterkommen. Für die Vögel feuchtete er das Brot etwas an und warf es aufs Dach. Das Dach ist so hoch, dass es ihn große Mühe kostet, es hinaufzubringen. Einmal hat er sich dabei sogar den Arm verletzt. Als er neulich das Brot später als sonst hinaufwarf, kam zum ersten Mal ein Vogel in seinen Hof herunter und flog sofort wieder weg. „Es war, als wollte er sagen: ,Heute bist du spät dran'", sagte er.
Bei diesen Sätzen, die er im Gedanken an Gott sprach, füllten sich seine Augen: „Menschen, die immer nur reden und nie mittendrin sind, haben die Schönheit des Paradieses und den Wert der Sache nie verstanden. Dabei gibt es nichts Schöneres als Gott."
Er erzählte, dass er in jedem Gebet für seine Schüler in den anderen Gefängnissen betet: „In allen fünf Gebeten bete ich für die Freunde. Ich bete mehr für sie als für mich selbst. Für meine Frau habe ich vielleicht zwei-, dreimal gebetet."
Seine Haare sind sehr lang geworden und stören ihn. Ebenso sein Bart. „Hätten sie mir wenigstens eine Schere gegeben, dann hätte ich meinen Bart gestutzt", denkt er.
Trotz all dieser Schwierigkeiten antwortet er auf die Frage „Wie geht es Ihnen?" immer: „Mir geht es bestens." Und über die, die ihn ins Gefängnis gebracht haben, sagt er: „Wir sind in einem Garten des Paradieses. Gott hat uns diese zwölf Quadratmeter große Zelle zum Paradies gemacht. Sie verstehen das nicht..."