Behauptungen zu Russland und zur Außenpolitik
Die Behauptung zur Äußerung "Schießt doch das Flugzeug Russlands ab"
Aus dem Zusammenhang gerissen
Behauptung
Fakten
Die Äußerung fiel in einer Rede vor der Flugzeugkrise. Als die Türkei am 24. November 2015 ein russisches Kampfflugzeug abschoss, wurde der Satz Alparslan Kuytul unter der Überschrift "Das hast du doch gesagt, sieh nur, wie wir es abgeschossen haben" vorgehalten und als eine Prophezeiung dargestellt, die sich als falsch erwiesen habe.
Der Satz war jedoch keine Vorhersage, sondern eine Warnung. Kuytuls eigene Erklärung legt das ohne Raum für Zweifel dar:
"Wollte ich mit diesen Worten sagen: 'Ihr könnt das Flugzeug nicht abschießen'? Ein Flugzeug schießt ein Flugzeug ab, natürlich. Was habe ich gemeint? Ich wollte sagen: Wenn ihr über die Folgen davon nachdenkt, werdet ihr verstehen, dass ihr es nicht tun solltet. Aber leider ist auch das geschehen."
Auch die Absicht der Rede im Ganzen ist dieselbe: "Lasst uns nicht in die Falle gehen, lasst uns das Aufschneiden sein. So führt man keinen Staat." Zur Debatte steht also nicht die Stärke der Türkei, sondern die Rechnung für den Gebrauch dieser Stärke.
Warum diese Einstufung "Aus dem Zusammenhang gerissen"?
Die zutreffende Seite der Behauptung ist diese: Dieser Satz ist tatsächlich gefallen. Wir sagen nicht, dass es eine solche Äußerung nicht gibt; die Äußerung liegt vor.
Doch das ist kein Fehler. Hört man, was vor und nach dem Satz steht, zeigt sich, dass er Teil einer Warnung ist und nicht einer Vorhersage. Die Äußerung, die für sich genommen wie eine Herausforderung wirkt, heißt an ihrem Platz belassen: "Rechnet die Folgen durch." Die Behauptung gibt den Satz nicht falsch wieder; sie reißt ihn aus den Sätzen heraus, in denen er steht.
Es gibt zwei verschiedene Zeitpunkte
Was unter dieser Überschrift durcheinandergerät, ist das Datum. Der Satz "Schießt doch das Flugzeug Russlands ab" fällt in einer Rede, die Alparslan Kuytul vor der Flugzeugkrise hielt. Der Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die Türkei dagegen fand am 24. November 2015 statt. Der Satz wurde nach dem Ereignis rückblickend gefunden und ihm wie ein Siegesprotokoll vorgehalten: "Das hast du doch gesagt, sieh nur, wie wir es abgeschossen haben."
Der Tag der Rede ist im Archiv nicht verzeichnet; Kuytul sagt nur "in einer früheren Rede von mir". Sicher ist, dass die Äußerung vor der Krise fiel. Diese Unterscheidung mag unwichtig erscheinen, doch das ganze Gewicht der Behauptung kommt von hier: Der Satz wurde über etwas gesagt, das noch nicht geschehen war, und konnte deshalb nachträglich wie eine Wette dargestellt werden.
Was der Satz sagte
Die Lesart, auf der die Behauptung beruht, ist diese: Kuytul habe behauptet, die Türkei könne kein russisches Flugzeug abschießen, und als eines abgeschossen wurde, habe er sich geirrt. Seine eigene Erklärung weist diese Lesart unmittelbar zurück:
"Wollte ich mit diesen Worten sagen: 'Ihr könnt das Flugzeug nicht abschießen'? Ein Flugzeug schießt ein Flugzeug ab, natürlich. Was habe ich gemeint? Ich wollte sagen: Wenn ihr über die Folgen davon nachdenkt, werdet ihr verstehen, dass ihr es nicht tun solltet. Aber leider ist auch das geschehen."
Was gesagt wurde, ist keine Behauptung über technisches Können. Niemand muss darüber streiten, ob ein Kampfflugzeug ein anderes abschießen kann. Zur Debatte steht, was geschieht, wenn dieser Abzug gedrückt wird.
Die Absicht der Rede
Im selben Abschnitt wird die Absicht in einem einzigen Satz zusammengefasst: "Lasst uns nicht in die Falle gehen, lasst uns das Aufschneiden sein. So führt man keinen Staat." Der Einwand richtet sich hier gegen den Stil. Dass ein Staat einen Schritt, dessen Folgen er tragen muss, ankündigt wie eine Herausforderung im Ring, wird für falsch gehalten; als Beispiel wird daran erinnert, dass nicht einmal Amerika in dieser Sprache spricht.
Was die Verantwortlichen nach der Krise sagten
Ob die Äußerung eine "Warnung" oder eine "Herausforderung" war, lässt sich auch an den offiziellen Erklärungen nach dem Vorfall ablesen. In derselben Antwort weist Kuytul auf diesen Widerspruch hin: Der Staatspräsident sagte einerseits, dasselbe werde wieder getan werden, und erklärte andererseits, hätte man gewusst, dass das Flugzeug Russland gehörte, wäre es anders abgefangen und nicht abgeschossen worden. Auch der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmuş sagte, hätte man gewusst, dass es ein russisches Flugzeug war, wäre nicht geschossen worden. Kuytuls Frage lautet: Was werden jene, die nach dem Abschuss Heldenlieder anstimmten, als sei ein Krieg gewonnen, zu diesen Rückzügen sagen?
Wie das Beschneiden funktioniert
Diese Behauptung ist ein gutes Beispiel für die Methode des beschnittenen Clips. Liest man den ganzen Text, so ist das, was vor und nach dem Satz steht, eine Kette von Warnungen; wird der Satz aus dieser Kette herausgenommen, beginnt er wie eine Behauptung auszusehen, ja sogar wie eine Wette. Eine erfundene Äußerung gibt es hier nicht — der Schnitt braucht die Äußerung gar nicht zu verändern, es genügt, ihre Umgebung wegzunehmen.
Die Antwort auf die Kampagne
Nachdem der Satz in Umlauf geraten war, folgten schwere Beleidigungen. Kuytul antwortete darauf mit einer Jesus zugeschriebenen Erzählung: Als die Feinde des Islam schwer über ihn redeten, berichteten die Jünger davon, und er sagte: "Jeder gibt von dem aus, was er bei sich hat." In der gesamten gegebenen Antwort findet sich keine an die Gegenseite gerichtete Beleidigung; der Einwand gilt der Art und Weise, wie die Äußerung wiedergegeben wurde.
Die vollständige Einschätzung, aus der die Äußerung herausgenommen wurde: seine Einschätzung zum Abschuss des russischen Flugzeugs. Die andere aus derselben Rede erzeugte Behauptung: die Behauptung "Russland-Anhänger".