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In seinen eigenen Worten

März 2019: Der Brief, den Alparslan Kuytul aus dem Gefängnis an die Öffentlichkeit schrieb

März 2019: Der Brief, den Alparslan Kuytul aus dem Gefängnis an die Öffentlichkeit schrieb

Quelle

Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Lob sei Gott, der Seine Diener durch Sein Buch, durch Seinen Propheten und durch Heimsuchungen erzieht und festigt, der emporhebt, wer emporgehoben werden soll, und erniedrigt, wer erniedrigt werden soll; Segen und Frieden seien auf dem Gesandten Gottes, Gott segne ihn und schenke ihm Frieden, der Tag und Nacht dafür kämpfte, dass die Menschheit von der Beigesellung und vom Übel der ungerechten und falschen Ordnungen befreit werde, der die Menschen Zivilisation und Gerechtigkeit lehrte und der inmitten aller Unmöglichkeiten die schönste Zivilisation der Geschichte errichtete; und Frieden sei auf all meinen Geschwistern, die sich darum mühen, unsere verlorene Zivilisation neu zu beleben und aufzubauen, und die Tauhid, Gerechtigkeit, Freiheit und Zivilisation verteidigen.

Meine wertgeschätzten Geschwister! Obwohl ich seit 13 Monaten im Gefängnis bin, ist dies der zweite Brief, den ich meinen Weggefährten schreibe, und der erste an die Öffentlichkeit. Weil wir jeden Augenblick mit der Freilassung rechneten, war ich nicht sehr geneigt, Briefe zu schreiben. Ich danke den Verantwortlichen der Zeitung Millî Gazete dafür, dass sie der Anlass für diesen Brief waren.

Zuallererst möchte ich festhalten: Wenn wir an die Lage der islamischen Welt denken, bleibt uns keine Kraft, an unsere eigenen Sorgen zu denken. Die Muslime sind zerstreut, die Muslime sind elend dran, die Muslime stehen unter der Unterdrückung diktatorischer Ordnungen und der imperialistischen Mächte, die sie stützen. Nach dem Ersten Weltkrieg errichteten die Großmächte, die die islamische Welt zerstückelten, im gesamten Nahen Osten Diktaturen und Königreiche. In diesen Diktaturen ließen sie weder Gerechtigkeit noch Meinungsfreiheit übrig. Die Folge waren materielle Rückständigkeit und Bürgerkrieg.

In der Türkei wiederum hat sich, wie Sie wissen, sehr vieles verändert, seit sich die AKP-Regierung mit der Gemeinschaft Fethullah Gülens überworfen hat und seit mit den Operationen vom 17.–25. Dezember 2013 der Krieg zwischen ihnen begann, und besonders seit dem 15. Juli. An erster Stelle des Veränderten stehen: die Einengung des Betätigungsfeldes islamischer Gemeinschaften, die Verhinderung vieler Aktivitäten wie etwa Konferenzen, der Versuch, Gedanken der Feindschaft gegen Gemeinschaften zu verbreiten, die Schließung von Studentenhäusern und Medresen vieler Gemeinschaften, die Schließung mancher Stiftungen und Vereine, die Einsetzung von Zwangsverwaltern in Kommunen, Firmen und Medienhäusern, die weitgehende Vernichtung der Gedanken- und Meinungsfreiheit, die Ingewahrsamnahme sehr vieler oppositioneller Stimmen unter dem Vorwurf, Propaganda für FETÖ oder die PKK zu machen, die Eröffnung von Verfahren und die Verhaftung vieler von ihnen, das Zumschweigenbringen der Opposition auf diesem Wege, dass viele erst nach ein bis anderthalb Jahren vor Gericht gestellt werden, das Überquellen der Gefängnisse, dass gegen eine halbe Million Menschen Verfahren geführt werden, und dass in der Gesellschaft eine große Furcht erzeugt wurde, und so fort. In zwei, drei Jahren hat sich die Türkei sehr verändert. Die dem Islam und den Gemeinschaften feindlichen tiefen Mächte erleben die schönsten und glücklichsten Jahre ihres Lebens — sie feiern geradezu. Es liegt offen zutage, wie sehr der Putschversuch vom 15. Juli den islamischen Diensten, dem Land und dem Volk geschadet hat und wer daraus Nutzen gezogen hat. Wer verstehen will, wer hinter einer Tat steht, sollte darauf sehen, wem diese Tat nützt. Nur so betrachtet lässt sich sehen, was hinter dem Vorhang des 15. Juli steht, und nur dann lassen sich alle Putschisten ermitteln. Doch das geschieht nicht; man geht nicht gegen die tiefen Mächte vor, die die Putschisten zum Putsch ermutigt und in die Falle gelockt haben, sondern es werden geradezu alle Gemeinschaften als potenzielle Putschisten dargestellt, ihre Tätigkeiten werden eingeschränkt, und unter dem Vorwand des 15. Juli wird etwas Schwereres als der 28. Februar durchlebt.

In Wahrheit wird auf diese Weise einerseits versucht, die Gemeinschaften mit der Wurzel auszureißen, und andererseits die AKP-Regierung dazu gebracht, sich den Ast abzusägen, auf dem sie sitzt, und dem Zusammenbruch entgegengeführt. Die islamfeindlichen tiefen Mächte nehmen Rache an den Islamisten, verpassen den Islamisten eine "Spureinstellung", stärken das Regime noch weiter, lassen jene beschämt dastehen, die sagten: "Der 28. Februar sollte doch tausend Jahre dauern — seht, wie wir ihn beendet haben", und zeigen, wie meisterhaft sie in der Gesellschaftstechnik geworden sind.

Während der tiefe Staat auf der einen Seite seine eigenen Ziele zu erreichen sucht, nennt die AKP-Regierung auf der anderen jeden, der sie kritisiert, entweder einen FETÖ- oder einen PKK-Anhänger, und wo sie das nicht sagen kann, beschuldigt sie ihn, Propaganda für diese Organisationen zu machen, und schickt Tausende Oppositionelle in die Kerker. In den Augen der AKP-Regierung ist jeder, der sie kritisiert, entweder Mitglied einer Terrororganisation oder jemand, der für sie Propaganda macht, und ein Landesverräter. Diese Sicht und dieser Ton zeigen, dass Gleichgewicht und Psyche nun gründlich gestört sind. Wenn diese Haltung nicht aus einem Verlust des Gleichgewichts herrührt, dann wird sie als bewusste Drohstrategie angewandt, um die Kritiker der Regierung einzuschüchtern. Beide Möglichkeiten sind eine gefährlicher als die andere und kündigen an, dass diese Sache sehr böse enden wird.

Obwohl wir nicht die geringste Beziehung zu irgendeiner Terrororganisation haben und obwohl sich in der 20.000 Seiten starken Akte, die die Staatsanwaltschaft dem Gericht vorlegte, Berichte der Generaldirektion für Sicherheit und der Polizeidirektionen von Adana, Mersin und Sakarya befinden, in denen es über uns heißt: "Alparslan Kuytul und die Furkan-Stiftung haben keine Verbindung zu irgendeiner Terrororganisation", führten sie gegen uns eine Operation mit Razzien im Morgengrauen durch, wie man sie gegen Terrororganisationen durchführt, und verhafteten uns anschließend. Als wäre das nicht genug, hielten sie mich 312 Tage in Isolationshaft und fügten mir psychische Folter zu. Lange Isolation im Kerker dient dazu, einen Menschen entweder in den Wahnsinn zu treiben oder ihn einzuschüchtern und gefügig zu machen oder ihn verrotten zu lassen. Ohne Gottes Barmherzigkeit ist es nahezu unvermeidlich, dass einem davon eines widerfährt. Der Herr, der für Abraham, Friede sei auf ihm, das Feuer kühl machte, hat auch für mich das Feuer des Kerkers kühl gemacht. Ich weiß nicht, wie nicht die Tage, sondern die Wochen, ja die Monate vergehen. Ja, ich will gar nicht, dass die Tage vergehen; ich versuche, mehr aus ihnen zu machen. Dank sei Gott. Meister Bediüzzaman sagt: "Wer Gott kennt und Ihm gehorcht, ist glücklich, auch wenn er im Kerker ist. Wer Ihn vergisst, ist im Kerker, auch wenn er im Palast ist, und ist unglücklich."

Wenn ich vom eigentlichen Grund dessen, was man uns angetan hat, in Kürze sprechen soll: Nach meiner Überzeugung hat all dies drei Ursachen:

1- Dass wir den Glauben an Tauhid hinausrufen und sagen: "In Gottes Welt soll gelten, was Gott sagt", und dass wir die islamische Zivilisation verteidigen,

2- Dass wir die AKP-Regierung in manchen Fragen kritisieren,

3- Dass wir vom tiefen Staat und von dem sprechen, was er tut.

Die AKP-Regierung störte sich vor allem an unserer Kritik an ihr, die tiefen Mächte an allen drei Gründen, und sie gaben den Befehl zur Operation. Dabei waren wir gerade durch den Glauben an Tauhid, an dem sie sich stören, zu einem Weltstaat geworden. Der Glaube an Tauhid, der uns gestern stark machte, eine friedvolle Gesellschaft hervorbrachte und eine vorbildliche Zivilisation errichten ließ, kann das auch heute leisten. Der Glaube an Tauhid bedeutet, keinen Gott außer Gott anzuerkennen, das heißt keine Instanz, der zu gehorchen wäre, es bedeutet, die Knechtschaft gegenüber Geschöpfen zurückzuweisen und Werte und Gesetze von Gott zu nehmen. Wenn wir unsere Lebensform, unsere Gesetze und unsere menschlichen und sittlichen Werte von Gott nehmen, wird eine starke und friedvolle Gesellschaft und ein solcher Staat entstehen. Denn in Gottes Gesetz und Ordnung gibt es keinen Fehler.

Tauhid ist richtig. Denn wem eine Sache gehört, dem gehört das Recht, über sie zu bestimmen. Da die Welt und alles in ihr und alle Menschen Gott gehören, müssen die Menschen Gott gehorchen, und in Gottes Welt muss eine Ordnung errichtet werden, wie Gott es sagt. Das ist Gottes Recht. Sind jene, die sich mit Waffengewalt fremdes Eigentum aneignen oder gegen eine rechtmäßige Regierung putschen und die Befugnisse der Gewählten mit Waffengewalt an sich zu bringen suchen, nicht Usurpatoren? Wenn jene, die die Befugnis der Gewählten zu herrschen gewaltsam an sich reißen, Putschisten sind — sind dann jene, die Gottes Befugnis zu herrschen an sich reißen, keine Putschisten? Wer sagt: "Nicht was Gott sagt, sondern was wir sagen, soll gelten", der ist ein Usurpator von Gottes Recht und ein Putschist.

Jene, die ihre eigene Herrschaft errichtet haben, störten sich an unseren Worten "In Gottes Welt soll gelten, was Gott sagt", und sie fürchteten, dass Tauhid, das in der Geschichte manche Herrschaft gestürzt hat, auch die ihre stürzen werde. Deshalb gingen sie, wie jene, in deren Fußstapfen sie treten, den Weg, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die die Sache des Tauhid darlegen. Doch selbst wenn sie mich zum Schweigen brächten, schweigen meine Schriften und meine Videos nicht; brächten sie meine Videos zum Schweigen, schweigen meine Schüler nicht; die übrigen Muslime, die Tauhid darlegen, schweigen nicht; und brächten sie auch diese zum Schweigen, schweigt Tauhid nicht. Tauhid ist das wirkungsvollste Wort der Welt. Es entspricht sowohl der Vernunft als auch dem Gewissen. Es muss nur klar und mutig dargelegt werden.

Wie die Sonne Statuen aus Schnee schmelzen lässt, so lässt die Sonne des Tauhid alle Ideologien und Ordnungen schmelzen. Die Muslime müssen Tauhid nur auf die Tagesordnung setzen. Es gibt keine Eisstatue, die die Sonne des Tauhid nicht schmelzen könnte. Die Sache des Tauhid ist wie ein Ozean; vor ihr lässt sich kein Damm errichten. Jene, die Tauhid hinausrufen und angesichts von Unrecht nicht schweigen, sind die erste Gemeinschaft, die Gottes Barmherzigkeit erreicht. Wie das Schneeglöckchen.

Tauhid ist richtig, weil derjenige eine Sache am besten kennt, der sie gemacht hat. Also kennt den Menschen am besten Gott, der ihn erschaffen hat. Zudem zeigt Gott, der Mächtige und Erhabene, die Unendlichkeit Seines Wissens und Seiner Macht jeden Tag und überall durch die vollkommenen und unzähligen Geschöpfe, die Er erschaffen hat, und durch die vollkommene Ordnung, die Er gesetzt hat. Gott, erhaben sei Seine Majestät, fragt die Menschen: "Wisst ihr es besser oder Gott?" Die Antwort auf die Frage liegt auf der Hand. Gemeint ist: "Da der Allwissende Gott ist, gehorcht nicht den Menschen, sondern allein Gott, lebt allein nach der Lebensordnung, die Er herabgesandt hat; andernfalls werdet ihr eure Probleme nicht loswerden."

Für meinen Satz, dass in Gottes Welt gelten soll, was Gott sagt, gibt es noch weitere Belege. Um nicht weitschweifig zu werden, gehe ich nicht darauf ein. Ich möchte auch ein wenig bei der Gerechtigkeit verweilen. Wie bekannt sagt der Edle Koran: "Gott gebietet die Gerechtigkeit." So wie Himmel und Erde durch Gerechtigkeit bestehen, durch die Gesetze und Maße, die Gott in die Natur gelegt hat, so bestehen auch Staaten durch Gerechtigkeit. In einem Land sollte die Einrichtung, der am meisten vertraut wird, die Justiz sein. Ist das Vertrauen in die Justiz auf 10 oder 20 Prozent gesunken, dann gibt es dort keine Gerechtigkeit mehr.

Wenn in einem Land die Richter zwischen den Gesetzen und den Anweisungen oder zwischen ihrem Gewissen und den Anweisungen eingeklemmt sind, wird in diesem Land keine Gerechtigkeit zustande kommen.

Wenn in einem Land die Justiz zum Mittel geworden ist, die Opposition zum Schweigen zu bringen, wenn sie zum Stock der Regierung geworden ist, dann wird es dort weniger Menschen geben, die denken und sprechen, und das Denken wird langsam sterben. Eine Gesellschaft aber, die nicht liest, nicht denkt und nicht sprechen darf, ist zum Niedergang verurteilt. Sie können kein entwickeltes Land vorweisen, in dem es keine Meinungsfreiheit gibt. Diktatur und Rückständigkeit sind wie zwei unzertrennliche Gefährten. So wie im Nahen Osten.

Zu verlangen, dass alle in jeder Frage dasselbe denken, heißt zu verlangen, dass die Menschen Tiere seien. Denn Tiere haben keine abweichenden Gedanken.

Wer einem Menschen, dem Gott das Recht zugestanden hat, anders zu denken, seinen eigenen Gedanken aufzwingt, hält sich für zuständiger als Gott.

In der Schwäche kein Unrecht zu tun zeigt nicht, dass jemand gerecht ist. Gerecht ist, wer kein Unrecht tut, während er stark ist.

Die Herrschenden werden vor dem Großen Gericht nicht durch ihre Gebete, sondern durch ihre Gerechtigkeit gerettet.

Wer sich von der Gerechtigkeit entfernt, hat sich vom Koran entfernt. Denn der Koran ist Gerechtigkeit.

Jene, die die Gerechtigkeit für die höheren Interessen des Staates opfern, werden bald sehen, dass sie mit der Ungerechtigkeit in Wahrheit den Staat geopfert haben. Zudem sind die durch Ungerechtigkeit erlangten Vorteile unrechtmäßige Vorteile, weil sie auf unrechtmäßigen Wegen erlangt wurden.

Wer jene zum Schweigen bringen will, die die Wahrheit hinausrufen, ist ein Feigling, der die Wahrheit fürchtet. Wären die Herrschenden gerecht, so müssten sie die Menschen des Denkens nicht zum Schweigen bringen. Nur gerechte Herrscher fürchten die Meinungsfreiheit nicht. Nur gerechte Herrscher können davor bewahrt werden, Diktatoren zu werden. Herrscher, die keine Gerechtigkeit schaffen, werden zu Diktatoren, um die Sprechenden zum Schweigen zu bringen. Das Wahre hat in sich selbst die Kraft, sich auszubreiten. Weil die Diktatoren das wissen, bringen sie die zum Schweigen, die die Wahrheit sagen. Um ihre Herrschaft fortzusetzen, nehmen sie in Kauf, der Meinungsfreiheit ein Ende zu setzen, das Denken sterben zu lassen und zurückzufallen.

Daneben gibt es auch jene, die angesichts dieser Ungerechtigkeiten schweigen; indem sie die Wahrheit nicht aussprechen und sich nicht an die Seite der Unterdrückten stellen, haben sie die Ehre und Würde des Islams nicht bewahrt und die Menschen der wahren Religion entfremdet. Die kommenden Tage werden nicht denen gehören, die zum Unrecht schwiegen, sondern denen, die die Wahrheit hinausriefen. Je mehr die Unterdrückten schweigen, desto zügelloser werden die Unterdrücker.

Für jene, die vor dem Unrecht die Augen verschließen und die Ohren zuhalten, wird die Strafe von der Art der Tat sein, und auch sie werden in den kommenden Tagen nicht gesehen und nicht gehört werden.

Wer in einer Zeit, in der die Rechte so eingeschränkt sind, seine Freiheiten nicht verteidigt, bezahlt dafür den Preis, Sklave zu werden. Solange sich Menschen mit Charakter, die die Wahrheit hinausrufen und das Falsche zurückweisen, nicht vermehren, wird die Finsternis sich nicht in Licht verwandeln und wird unsere Rettung nicht möglich sein.

Dschochar Dudajew sagte: "Gegen die ungerechte Macht und an der Seite des machtlosen Rechts zu stehen, ist mein Glaube."

Alija Izetbegović wiederum warf den Schweigenden vor: "Woran wir uns erinnern werden, sind nicht die Worte unserer Feinde, sondern das Schweigen unserer Freunde."

Dieser Punkt sollte nicht vergessen werden: Wer für die Unterdrückten eintritt, für den tritt auch Gott ein, wenn ihm Unrecht geschieht.

Jene aber, die angesichts von Unrecht schweigen, lässt Gott Unrecht erleiden. Denn ihren Fehler werden sie anders nicht begreifen.

Tapferkeit besteht nicht darin, die Wahrheit dort zu sagen, wo das Rechte herrscht, sondern sie dort zu sagen, wo das Falsche herrscht.

Der afrikanische Autor Desmond Tutu sagt: Wenn du angesichts von Ungerechtigkeit neutral bleibst, hast du die Seite des Unterdrückers gewählt.

So sei denn: Sei der Mann der Wahrheit, nicht der Mann der Macht! Denn die Mächtigen stürzen, die Wahrheit aber stürzt nicht.

Die Strafe dafür, zum Unrecht zu schweigen, ist, noch mehr Unrecht zu erleiden.

Jene, die meinen, sie seien erledigt, wenn sie angesichts des Unrechts sprächen, sind in Wahrheit durch ihr Schweigen erledigt.

In einem Land, in dem es Gerechtigkeit gibt, sind die Menschen unschuldig, bis ihre Schuld bewiesen ist; in einem Land ohne Gerechtigkeit sind sie schuldig, bis sie ihre Unschuld beweisen.

In einem Land, in dem es Gerechtigkeit gibt, beweisen die Staatsanwälte die Tat; in einem Land ohne Gerechtigkeit beweisen die Angeklagten ihre Unschuld.

In einem Land, in dem es Gerechtigkeit gibt, gibt es zuerst die Beweise der Tat, dann wird der Person das Recht auf Verteidigung gegeben, und danach wird sie, wenn sie schuldig ist, verhaftet. In einem Land ohne Gerechtigkeit aber wird die Person zuerst verhaftet, dann wird die Tat erfunden, und danach wird ihr das Recht auf Verteidigung gegeben. Dieses Verteidigungsrecht wird jedoch manchmal erst nach 6 Monaten, manchmal nach 1 Jahr, manchmal nach 2 Jahren gewährt.

So wie es bei uns geschah: Sie verhafteten uns, obwohl es keine Tat und keinen Beweis gab, die eine Verhaftung erfordert hätten, sechs Monate später verfassten sie eine auf Verleumdung, Widersprüchen und Annahmen beruhende Anklageschrift, und ein Jahr später gaben sie uns das Recht, uns zu verteidigen. Die Anklageschrift wurde auf zwei Akten aufgeteilt, und weil beide leer waren, wurden wir bei der jeweils ersten Verhandlung beider Gerichte freigelassen. Gewisse Politiker und gewisse tiefe Mächte konnten den Freilassungsbeschluss nicht ertragen und setzten ein sonderbares, aus dem Ausnahmezustand stammendes System in Gang. Der Staatsanwalt legte gegen den Freilassungsbeschluss Widerspruch ein, und ein anderes Gericht, das die Akte überhaupt nicht kannte, gab dem Widerspruch statt und verhaftete uns erneut — damit war die Sache erledigt. Da es nicht möglich ist, eine 20.000 Seiten starke Akte, eine 120-seitige Anklageschrift und Tausende Seiten Vernehmungsprotokolle in ein bis zwei Stunden zu prüfen und ohne Anhörung der Angeklagten zu einer Entscheidung zu gelangen, dürfte es nicht schwerfallen zu verstehen, wie diese Entscheidung zustande kam.

Die Entscheidung der 4. Schwurgerichtskammer, die die Akte fünf bis sechs Monate lang prüfte, drei Tage lang von morgens bis abends Aussagen aufnahm und nach dem Verständnis der Sache die Freilassung beschloss, kann von einem anderen Gericht, das die Sache überhaupt nicht kennt, in einer Stunde aufgehoben werden. Das System ist absichtlich so eingerichtet. Offenbar ist dies der Weg, eine Entscheidung aufheben zu lassen, wenn ein Gericht trotz allen Drucks nicht so entscheidet, wie die Mächtigen es wünschen. Dank dieser Vorgänge haben wir das errichtete System und jene, die es errichtet haben, kennengelernt. Doch die, die das tun, wissen offenbar noch immer nicht, oder haben vergessen, dass gilt: "Der Unglaube mag fortdauern, das Unrecht aber dauert nicht fort."

Tatsächlich wurde das Signal, dass etwas Unnormales geschehen würde, schon vom ersten Augenblick an gegeben. Denn von dem Moment an, als wir das F-Typ-Gefängnis Bolu verließen, bis nach Adana wurde die Observation keinen Augenblick eingestellt. Am Ortseingang von Adana wollten sie mich daran hindern, auch nur die Hunderte von Menschen zu grüßen, die an einer Raststätte an der Autobahn auf mich warteten, und drohten, sie würden "einschreiten". Ich sagte: "Ich kann nicht einfach davonfahren, ohne die Hunderte von Geschwistern zu grüßen, die stundenlang in dieser Kälte auf mich gewartet haben; ich bin gerade aus dem Gefängnis gekommen, und wenn es sein muss, gehe ich wieder hinein." Dann erlaubten sie mir, zu den an der Raststätte versammelten Freunden eine kurze Ansprache zu halten. Doch kaum hatte ich zu sprechen begonnen, kamen sie bis dicht heran und verhinderten mein Sprechen, indem sie über Megafon unablässig dieselbe Durchsage wiederholten.

Nachdem ich unter solchen Umständen eine kurze Ansprache gehalten hatte und wir in die Fahrzeuge stiegen und losfuhren, ließen sie die Freunde nicht von der Raststätte herunter und mit uns kommen. Um mich daran zu hindern, bei den Freunden vorbeizuschauen, die an anderer Stelle (auf dem Messegelände von Adana) auf mich warteten, sperrten sie mit Fahrzeugen alle Straßen zum Messegelände. Als ich auf diese Weise zu Hause ankam, sah ich, dass sie das Haus mit Hunderten von Polizisten, Spezialkräften, Wasserwerfern und Panzerwagen abgeriegelt hatten. Als ich auf den Balkon unserer Wohnung im ersten Stock trat, um den Hunderten von Freunden zu danken, die es trotz aller Behinderung bis vor das Haus geschafft hatten, verhinderten sie mein Sprechen erneut, kaum dass ich begonnen hatte, mit den Sirenen der Wasserwerfer.

Diese Behinderungen erinnerten mich an das, was die Mekkaner unserem Propheten antaten. Auch sie schlugen Steine gegeneinander, um das Sprechen des Propheten, Gott segne ihn und schenke ihm Frieden, zu verhindern und seine Stimme zu übertönen. Mit verschiedenen Methoden versuchten sie zu verhindern, dass seine Rede gehört werde. Konnten diese Methoden verhindern, dass die Wahrheit gehört wurde? Wer so handelt, macht nur sich selbst zum Gespött.

Dieses Ereignis hat die Richtigkeit dessen bewiesen, was ich vor der Freilassung gesagt hatte: "Meine Akten sind keine Strafakten, sie sind Schweige-Akten." Gott, der Mächtige und Erhabene, hat Millionen durch die Freilassungen meine Unschuld gezeigt und durch dieses Ereignis gezeigt, dass man versucht, mich zum Schweigen zu bringen. In der Ansprache, die ich nach der Freilassung an die Hunderte von Freunden hielt, die am Stadteingang warteten, weil ihnen die Einfahrt nach Bolu verwehrt worden war, sagte ich: "Sie haben mich eingesperrt, um mich zum Schweigen zu bringen, aber ich werde nicht schweigen" — und am nächsten Tag verhafteten sie mich erneut. Damit haben sie allen noch einmal gezeigt, wofür sie mich verhaftet haben und was es war, das sie fürchteten. Es macht nichts: "Wenn die Gerichte dem Sultan gehören, so gehören die Herzen uns."

Denen, die sich mit uns anlegen, sage ich:

O meine verleumderischen, niederträchtigen Feinde! Wisset, dass es unsinnig ist, sich mit uns anzulegen. Denn wenn Gott, erhaben sei Seine Majestät, uns beisteht, so reicht eure Kraft nicht aus, uns aufzuhalten. Wenn aber Gott, erhaben sei Seine Majestät, uns nicht beisteht, so braucht ihr gar nicht erst zu versuchen, uns aufzuhalten. Denn was Gott nicht beisteht, erreicht sein Ziel nicht. Das heißt: In beiden Fällen müht ihr euch umsonst.

Welches Unrecht sie auch tun, welche Verleumdung sie auch aussprechen mögen — wir werden die diamantgleichen Wahrheiten des Korans und die Sache des Tauhid bis zu unserem Tod darlegen. Wir haben uns nie in Terror verstrickt, und so Gott will werden wir es auch künftig nicht. Wir haben uns den Feinden des Islams nicht gebeugt und werden es nicht tun. Wir haben ihnen nicht gehorcht und werden ihnen nicht gehorchen.

Der Edle Koran sagt: "Sei geduldig; deine Geduld ist nur durch Gott. Und sei nicht traurig über sie und sei nicht bedrängt wegen der Ränke, die sie schmieden." Und unser Herr, Gott segne ihn und schenke ihm Frieden, sagt, dass Gott dem die Ehre mehrt, der das ihm widerfahrene Unrecht geduldig erträgt. Auch wenn sie provozieren wollen, werden wir geduldig sein — doch während wir geduldig sind, werden wir auch den Kampf fortsetzen.

Gedanken oder Überzeugungen erwachen erst dann zum Leben, beleben die Massen und werden zur Sache, wenn man um ihretwillen leidet und einen Preis bezahlt. Ideen verbreiten sich, je mehr sie unterdrückt werden. Anliegen wachsen in dem Maße, in dem man um ihretwillen leidet.

Rumi sagt: "Wo immer einer ist, der sich müht, die Zügellosen auf den Weg zu bringen, der wird viele Tritte einstecken." So wollen wir uns denn damit einverstanden erklären.

Sie sagen zu mir: "Schweig, lege Tauhid nicht dar und sei still zu dem Unrecht, das sie tun." Und ich antworte ihnen mit den Worten Josefs, Friede sei auf ihm: "Mein Herr, das Gefängnis ist mir lieber als das, wozu sie mich einladen." Um der Wahrheit willen das Leid des Kerkers zu tragen ist besser, als die Erniedrigung zu tragen, angesichts von Unrecht zu schweigen.

Wenn Gott hinter uns steht, ist es ohne Bedeutung, wer vor uns steht.

Die Last, die wir tragen, ist Gold, ist Diamant. Der diese Last gegeben hat, wird auch die Kraft geben, sie zu tragen.

Weder die Betonmauern und Eisengitter des Gefängnisses noch die Lügen und Verleumdungen der Medien können aufhalten, dass die Wahrheiten die Massen erreichen.

O ihr Unterdrücker, die ihr mich mit Verleumdungen in den Kerker geschickt habt! Während ich auf Gottes Weg in den Kerker gehe, werdet ihr in eure Häuser gehen. Ihr werdet mich von meiner Familie und meinen Freunden losreißen und zu eurer eigenen Familie und euren Freunden zurückkehren. Während ich im kalten Kerker friere, werdet ihr in euren warmen Häusern bequem leben. Während ich allein in Isolation bin, werdet ihr euch mit euren Freunden unterhalten. So sei es. Lasst mich euch zuerst mit Yunus antworten:

"So sei es! Der Schöpfer ist der Freund

Glaub nicht, dass Gewinn ist, was der Unterdrücker tut

Der Seufzer des Unterdrückten stürzt den Schah

Alles hat seine bestimmte Zeit"

O ihr Unterdrücker! Während ich im Kerker die Ehre des Unterdrückten lebe, werdet ihr draußen die Schande des Unterdrückers leben. Die Süße, die ich im Kerker aus dem erlittenen Unrecht ziehe, werdet ihr niemals aus dem Unrechttun ziehen. Während ich das Glück lebe, mit meinem Herrn zu sein, werdet ihr mit euren falschen Freunden eure Sünden mehren. Ich halte den Kerker dieser Welt aus, ihr aber werdet den Kerker des Jenseits nicht aushalten. Also ist meine Lage besser als eure. Wenn ich auch auf der einen Seite Schmerz leide, so bin ich auf der anderen in der Station der Dankbarkeit, weil ich zu denen gehöre, die Anlass dafür waren, dass Tauhid in diesem Land auf die Tagesordnung kam und dass manche es verstanden, und weil ich eine in guten Werken vorangehende Generation hinter mir zurücklasse.

Bis zu meinem Tod werde ich weiter sagen: "Tauhid, Gerechtigkeit, Freiheit, Zivilisation".

Friede sei auf allen Unterdrückten und auf allen, die die Unterdrückten unterstützen. Seid Gott anbefohlen.

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