Behauptungen zu Sunna, Hadith und Ahl as-Sunna
Die Behauptung "Hadith-Leugner"
Unbegründet
Behauptung
Fakten
Die Behauptung sagt, Alparslan Kuytul lehne die Hadithe ab. Die zu diesem Thema vorliegende Aufzeichnung ist jedoch eine, die die Hadith-Leugnung kritisiert. In seiner Antwort vom 10. September 2008 beschreibt er das Ziel dieser Strömung so:
"Das grundlegende Ziel dieser Leute ist in Wahrheit, den Koran unverständlich zu machen. Denn ohne die Sunna können wir den Koran nicht verstehen."
Seine Begründung ist konkret: Der Koran erklärt nicht, wie das Gebet zu verrichten ist, von welchem Vermögen und in welcher Höhe die Zakat zu entrichten ist, und auch nicht die Einzelheiten von Fasten und Hadsch; all das überlässt er der Sunna. Fällt die Sunna weg, bleibt der Wortlaut des Verses bestehen, seine Bestimmung aber wird unverständlich.
Auch die Existenz erfundener Überlieferungen gilt ihm nicht als Grund zur Leugnung. Die Lösung besteht für ihn nicht darin, alle auf einmal zu verwerfen, sondern sich an die Hadithgelehrten zu wenden, die diese Sichtung vor Jahrhunderten vorgenommen haben. Seine Frage in derselben Antwort lautet genau so:
"In jeder Angelegenheit fragt der Unwissende einen Wissenden und vertraut den Fachleuten. Warum fragen sie in dieser Angelegenheit nicht ebenso die Hadithgelehrten?"
Er stellt sich offen gegen die Haltung, die den Hadithgelehrten und den Rechtsgelehrten misstraut, und nennt dabei Imam al-Buchari und Imam Muslim beim Namen. Vor uns steht also nicht jemand, der dem Hadith misstraut, sondern jemand, der vertritt, dass ein von den Hadithgelehrten als authentisch eingestufter Hadith ein Beleg ist.
Zwei weitere Themen werden häufig mit dieser Behauptung verwechselt: die Behauptung "Koranist" und die Behauptung "Er hält die Sunna nicht für Offenbarung".
Was besagt die Behauptung?
Der Behauptung zufolge lehnt Alparslan Kuytul die Hadithe ab und hält die Sunna nicht wie den Koran für einen Beleg. Das Einzige, was die Urheber der Behauptung bis heute nicht vorlegen konnten, ist ein einziger Satz von ihm in diesem Sinne. Seine Antworten in die entgegengesetzte Richtung sind dagegen aufgezeichnet und datiert.
Warum ist der Koran ohne die Sunna nicht zu verstehen?
Das ist der Kern seiner Antwort vom 10. September 2008. Der Koran, und besonders sein Teil zu den Rechtsbestimmungen, lässt sich nicht verstehen, ohne die Erläuterungen des Propheten zu kennen. Die Beispiele, die er anführt, sind gottesdienstliche Pflichten, mit denen jeder täglich zu tun hat:
- Der Koran gebietet das Gebet, erklärt aber nicht, wie es zu verrichten ist.
- Von welchem Vermögen und in welcher Höhe die Zakat zu entrichten ist, steht nicht im Koran.
- Was das Fasten bricht und was nicht und wie der Hadsch zu vollziehen ist, bleibt ebenso der Sunna überlassen.
Deshalb hält er es nicht für eine harmlose Methodendebatte, die Sunna strittig zu machen. Das Ergebnis ist dies: Der Wortlaut des Verses bleibt an seinem Platz, seine Bestimmung aber verschwindet.
Die Bestimmung des Ziels
Der auffälligste Teil der Antwort ist seine Feststellung zur Absicht hinter der Hadith-Leugnung: Dieser Ansatz ziele darauf, bei den Menschen eine allgemeine Skepsis gegenüber der Sunna zu erzeugen, damit niemand mehr dem Hadith vertraut. Es geht also nicht um die Zuverlässigkeit einzelner Überlieferungen, sondern um das Vertrauen in die Überlieferungswissenschaft selbst.
Was tut man, wenn es erfundene Hadithe gibt?
Die von der Hadith-Leugnung am häufigsten gebrauchte Begründung sind erfundene Überlieferungen. Kuytul weist diese Begründung nicht zurück; er räumt ein, dass es erfundene Hadithe gibt. Worin er sich unterscheidet, ist die Lösung. In seiner Antwort vom 26. März 2014 erinnert er daran, dass diese Sichtung vor Jahrhunderten durch Imam al-Buchari, Imam Muslim und die übrigen Hadithgelehrten geleistet wurde. Vor uns liegt kein leer gelassenes Feld, sondern ein etablierter Wissenszweig.
Der Maßstab: in jeder Angelegenheit dem Fachmann vertrauen
Der Maßstab, den er daraus ableitet, ist einfach. Der Mensch fragt in allem, was er nicht weiß, einen Wissenden und vertraut dem Fachmann; warum sollte jemand, der das in Mathematik, Physik und Chemie tut, beim Hadith nicht den Fachleuten dieser Wissenschaft vertrauen?
"Diese Leute vertrauen den Hadithgelehrten und den Rechtsgelehrten nicht, sie vertrauen weder Imam al-Buchari noch Imam Muslim und sagen: 'Woher soll ich wissen, dass es ein Hadith ist?' Warum vertrauen sie dann in anderen Fragen den Fachleuten?"
Dieser Satz ist zugleich die Antwort auf die Frage der Ahl as-Sunna. Das Unterscheidende der Linie der Ahl as-Sunna besteht darin, dass sie die Religion nicht der eigenen Lektüre des Einzelnen überlässt, sondern sie auf das gesammelte Wissen der Hadithgelehrten und der Rechtsgelehrten stützt. Genau das wird hier vertreten.
Wie lässt sich die Behauptung prüfen?
Was nötig wäre, damit diese Behauptung zutrifft, liegt auf der Hand: eine datierte Aufzeichnung von Kuytul, in der er einen von den Hadithgelehrten als authentisch eingestuften Hadith zurückweist. Ein Archiv von Hunderten Stunden an Vorträgen und Konferenzen ist offen zugänglich; trifft die Behauptung zu, müsste sich der Beleg daraus gewinnen lassen.
Bis heute hat er sich nicht gewinnen lassen. Sämtliche vorliegenden Aufzeichnungen sagen das Gegenteil, und zwar auf dem eigenen Feld der Behauptung: Antworten, die den Hadith als Beleg verteidigen und das Mittel gegen eine erfundene Überlieferung bei den Hadithgelehrten sehen.
Eine Aufstellung der Titel der Vorträge und Konferenzen über das Leben und die Sunna des Propheten von 1995 bis 2015 steht auf einer eigenen Seite: die Behauptung "Er misst dem Propheten und der Sunna nicht die gebührende Bedeutung bei".
Fazit
Hier stehen zwei verschiedene Haltungen nebeneinander, und die Behauptung wirft sie durcheinander. Hadith-Leugnung heißt, auch jenen Überlieferungen zu misstrauen, die die Hadithgelehrten als authentisch einstufen. Kuytuls Haltung dagegen lautet: Ein authentischer Hadith ist ein Beleg wie der Koran, und das Erfundene ist von den Fachleuten längst ausgesondert worden. Wer die erste Haltung kritisiert, wird der zweiten beschuldigt.
Fortsetzung: die Behauptung "Er ist ein Koranist und sagt: 'Uns genügt der Koran'" und die Behauptung "Er hält die Sunna nicht für Offenbarung".