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Vorwürfe des Terrorismus und der kriminellen Vereinigung

Die Behauptung, aus dem Tresor im passwortgeschützten Raum sei Geld gesprudelt

Aus dem Zusammenhang gerissen

Behauptung

Im Hauptgebäude der Furkan-Stiftung sei in einem Raum, der mit besonderen Passwörtern betreten wird, ein Geldtresor gefunden worden, aus dem Tresor seien 350.000 Lira gekommen; in der Stiftung sei "das Geld gesprudelt".

Behauptet von: haberler.com — ein Bericht mit der Überschrift "Aus den passwortgeschützten Räumen in der gestürmten Furkan-Stiftung sprudelte Geld"31.01.2018Quelle

Fakten

Diese Behauptung gehört zu dem Tag nach der Operation gegen die Furkan-Stiftung, die am Morgen des 30. Januar 2018 in Adana durchgeführt wurde. In der Ermittlung lag eine Geheimhaltungsanordnung vor; dennoch erschienen am 31. Januar 2018 Berichte mit der Überschrift "Aus dem passwortgeschützten Raum sprudelte Geld".

Dass im Tresor Geld lag, trifft zu. Was der Bericht nicht schrieb, ist Folgendes:

  • Das Geld lag im eigenen Tresor der Stiftung. Es kam aus niemandes Wohnung, von niemandes Person und von niemandes persönlichem Konto.
  • Nach ihrer Gründungsurkunde ist die Furkan-Stiftung befugt, Spenden zu sammeln; bei dem Geld im Tresor handelt es sich um auf diesem Weg gesammelte Spendeneinnahmen.
  • Für das Geld gibt es Quittungen. Die Quittungen hat die Polizei bei derselben Durchsuchung beschlagnahmt; die bei den spendenden Personen verbliebenen Quittungsexemplare wurden zudem in der ersten Verhandlung dem Gericht vorgelegt.
  • Die Schlagzeile des Berichts spricht von "passwortgeschützten Räumen"; in seinem eigenen Vorspann heißt es, dass derselbe Ort der Systemraum sei. Der Ort, der mit einem Passwort betreten wird, ist der Raum, in dem die Server stehen.

Auch der Betrag ist aus seinem Zusammenhang gerissen. 350.000 Lira waren zu jenem Zeitpunkt eine Summe, die nicht einmal für die Gründung einer Stiftung reichte; die Schlagzeile dagegen stellt es mit dem Verb "sprudeln" als Vermögen dar.

Zur Fortsetzung derselben Berichtswelle: die Behauptung, "mit gefälschten Quittungen seien 3 Millionen erbeutet worden".

Warum diese Einstufung "Aus dem Zusammenhang gerissen"?

Weil die konkrete Angabe des Berichts — dass in einem verschlossenen Raum, in einem Tresor, Geld gefunden wurde — zutrifft. Das bestreiten wir nicht.

Das ist jedoch kein Makel. Dass im Tresor einer Einrichtung, die Spenden sammeln darf, mit Quittungen belegtes Spendengeld liegt, ist das, was sein soll. Nichts ist gewöhnlicher, als dass das Geld der Stiftung im Tresor der Stiftung liegt. Die Behauptung hat einen gewöhnlichen Befund mit einer Bedeutung beladen, die ihm nicht zukommt.

Was sagte der Bericht?

Am Tag nach der Operation vom 30. Januar 2018, am 31. Januar 2018 um 12:06 Uhr, ging ein Bericht mit dieser Überschrift heraus: "Aus den passwortgeschützten Räumen in der gestürmten Furkan-Stiftung sprudelte Geld". Im Vorspann stand, die Zahl der in Gewahrsam Genommenen sei auf 25 gestiegen, der Systemraum des Hauptgebäudes der Stiftung sei mit besonderen Passwörtern zu betreten, und aus einem dort gefundenen Tresor seien 350.000 Lira gekommen.

Wo war der passwortgeschützte Raum?

Der erste Satz, der den Bericht widerlegt, steht im Bericht selbst. Die Formulierung "mit besonderen Passwörtern betretene Räume" lässt an ein verborgenes Fach denken; der Text selbst sagt, dass es sich dort um den Systemraum handelt. Den Raum, in dem die Server einer Einrichtung stehen, mit einem Passwort zu sichern, ist keine Sicherheitslücke, sondern ein Sicherheitserfordernis. Dieselbe Praxis gibt es in Tausenden von Einrichtungen, und in keiner einzigen wird sie zur Nachricht.

Der Tresor ist ebenso gewöhnlich. Eine Einrichtung, die Barspenden annimmt, Basare veranstaltet und Hilfskampagnen durchführt, hat einen Geldtresor; ihn nicht zu haben wäre sonderbar. Der Bericht aber führt den Tresor wie einen Fund vor und versucht, den Betrag mit dem Verb "sprudeln" als unzählbar erscheinen zu lassen. Dabei steht die Summe im Text des Berichts selbst: 350.000 Lira. Geld, das sich zählen und in einem einzigen Satz aufschreiben lässt, ist kein sprudelndes Geld.

Was war das Geld im Tresor?

Die Furkan-Stiftung wurde am 22. November 1994 gegründet, und in ihrer Gründungsurkunde sind unter den Einnahmequellen das Sammeln von Spenden und das Veranstalten von Basaren ausdrücklich aufgeführt. Wie bei allen Stiftungen und Vereinen in der Türkei hängt ihr Bestehen von diesen Einnahmen ab; Einrichtungen, die im islamischen Bereich arbeiten, erhalten keine staatliche Unterstützung.

Bei dem Geld im Tresor handelt es sich um diese Spenden, und es wurde gegen offizielle Quittungen entgegengenommen. Was aus den Quittungen wurde, ist die sonderbarste Einzelheit der Akte: Bei der Durchsuchung am 30. Januar 2018 hat die Polizei die Quittungen beschlagnahmt. Die Unterlagen also, die zeigen, dass das Geld erfasst war, befanden sich zu der Zeit, als über "nicht verbuchtes Geld" berichtet wurde, bereits in der Hand der Ermittlung. Die in den Quittungsblöcken der spendenden Personen verbliebenen Exemplare wurden zudem von den Anwälten in der ersten Verhandlung dem Gericht vorgelegt.

Mit Stand vom 6. August 2019, also anderthalb Jahre nach der Operation, waren weder die von der Polizei beschlagnahmten Quittungen noch die dem Gericht vorgelegten Quittungsexemplare geprüft worden. Im MASAK-Bericht derselben Akte wiederum war in den Kontobewegungen der angeklagten Personen kein Zuwachs festgestellt worden, dessen Herkunft sich nicht erklären ließ.

Warum wuchs die Zahl?

350.000 Lira sind eine Summe, die nicht einmal für die Gründung einer Stiftung reicht, und die Öffentlichkeit fand diesen Bericht an dem Tag, an dem er erschien, lächerlich. Daraufhin wurde die Zahl erhöht: am 27. Februar 2018 "mit gefälschten Quittungen 3 Millionen erbeutet", und nach der Operation vom 7. Mai 2018 begann man von 80 Millionen Lira zu sprechen.

Auffällig ist, dass der Beleg kleiner wird, je größer die Zahl wird. Die große Mehrheit der Medien gab der letzten Behauptung überhaupt keinen Raum. Die meisten Gebäude der Stiftung sind gemietet; hätte es eine Quelle in der behaupteten Größenordnung gegeben, wäre Eigentum erworben worden.

Noch eine Frage

In der Ermittlungsakte lag eine Geheimhaltungsanordnung vor. Dennoch stand der aus dem Tresor gekommene Betrag noch am selben Tag in allen Zeitungen; die bei derselben Durchsuchung gefundenen Quittungen standen in keiner einzigen. Einen Teil der Information durchzustechen und den anderen zu verbergen, ist die Beschreibung einer konstruierten Erzählung, nicht die des Journalismus.

Die Angaben auf dieser Seite gehören zu der Operation vom 30. Januar 2018 und zu der ihr folgenden Akte 2018–2019. Sie dürfen nicht mit einem anderen, laufenden Gerichtsverfahren verwechselt werden.

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