Behauptungen zu FETÖ und zur Gülen-Gemeinde
Die Behauptung "Er hat eine Verbindung zu FETÖ"
Unbegründet
Behauptung
Fakten
Diese Behauptung wurde lange vor der Operation vom 30. Januar 2018 offiziell untersucht. Als ein BİMER-Hinweis vom 20. Juli 2016 Alparslan Kuytul als mit FETÖ in Verbindung stehend darstellte, war es nicht die Furkan-Stiftung, die die Behauptung überprüfte, sondern die Polizei selbst. Die Untersuchung wurde 2016–2017 abgeschlossen, und ihr Ergebnis wurde in zwei Dokumenten festgehalten.
Das erste davon ist das Schreiben der Polizeidirektion der Provinz Adana vom 15. März 2017, das an die Generalstaatsanwaltschaft Adana gesandt wurde. Das Ergebnis der Abfrage, die die KOM-Zweigstelle mit den aus den FETÖ/PDY-Ermittlungen gewonnenen Daten durchführte, wird punktweise aufgeführt:
- Kein Eintrag in ByLock, der Anwendung der Organisation für die geschlossene Kommunikation.
- Keine Mitgliedschaft in den per Dekret mit Gesetzeskraft geschlossenen Vereinen.
- Keine Kontobewegung bei den Bank-Asya-Filialen in Adana vom 1. Januar 2014 bis zur Schließung der Bank.
- Keine Übernachtung in Hotels, die bekanntermaßen von Mitgliedern der Organisation genutzt werden.
- Kein Kontakt in den Telefonverbindungsdaten (HTS) der Verdächtigen, gegen die vorgegangen wurde.
Das Schreiben kommt zu Kuytul und der Furkan-Stiftung zu einem Ergebnis in einem einzigen Satz: Es konnten keine Informationen und Dokumente darüber erlangt werden, dass er eine Beziehung, einen Kontakt oder eine Verbindung zu FETÖ/PDY hat.
Das zweite Dokument ist das Untersuchungsprotokoll der Hinweisbewertungskommission der TEM-Zweigstelle Antalya. Dem Protokoll zufolge wurde im FETÖ/PDY-Abfragemodul unter sieben Punktüberschriften gesucht; auf der uns vorliegenden Seite sind fünf davon samt ihren Ergebnissen zu lesen, und unter jeder einzelnen steht derselbe Vermerk: Unter dieser Überschrift wurde kein Eintrag gefunden.
Kurz gesagt: Was auf die Behauptung antwortet, ist keine sich selbst verteidigende Struktur, sondern es sind die eigenen Aufzeichnungen des Staates. In diesen Aufzeichnungen hat sich nichts gefunden.
Diese Behauptung wurde am 7. September 2026 in der Sendung "Tarafsız Bölge" auf CNN Türk erneut vorgebracht. Die gesammelte Antwort auf die in der Sendung aufgezählten Vorwürfe: Cübbeli Ahmets Behauptungen über die Furkan-Bewegung auf CNN Türk — der vollständige Wortlaut der Erklärung der Furkan-Bewegung.
Vom Hinweis zum Dokument
Der Vorgang begann nicht mit einer Anschuldigung, sondern mit einem Hinweis. Der BİMER-Hinweis vom 20. Juli 2016 mit der Nummer 820856 stellte die Furkan-Stiftung und Alparslan Kuytul als mit FETÖ in Verbindung stehend dar. Auf Anweisung der Generalstaatsanwaltschaft Antalya gelangte der Hinweis an die Hinweisbewertungskommission der TEM-Zweigstelle Antalya.
Die Kommission begann damit, die im Hinweis genannte Person zu ermitteln. Im Hinweis hieß es "Stiftungsvorsitzender Abdullah Kuytul"; beim Abgleich mit den Melderegisterdaten wurde festgestellt, dass damit Alparslan Kuytul gemeint war, und er wurde mit Geburtsort, Geburtsjahr und Wohnanschrift ins Protokoll aufgenommen. Der Hinweisgeber kannte also den Namen der Person nicht, die er als mit FETÖ in Verbindung stehend darstellte.
Die Abfrageüberschriften, bei jeder dasselbe Ergebnis
Die Kommission durchsuchte das FETÖ/PDY-Abfragemodul Punkt für Punkt nach Kuytul. Das Protokoll hält fest, dass die Suche unter sieben Punktüberschriften erfolgte; auf der uns vorliegenden Seite sind fünf davon samt dem einzeiligen Ergebnis darunter zu lesen:
- Tabelle der in den von der KOM-Abteilung und ihren nachgeordneten Einheiten geführten Ermittlungen genannten Personen — es wurde kein Eintrag gefunden.
- Liste der Kontobewegungen bei der Bank Asya — es wurde kein Eintrag gefunden.
- Liste der Personen, gegen die nach dem Putschversuch vom 15. Juli vorgegangen wurde — es wurde kein Eintrag gefunden.
- Vereins- und Gewerkschaftsregister, die im Rahmen von FETÖ/PDY bewertet wurden — es wurde kein Eintrag gefunden.
- SGK-Daten der Beschäftigten von Firmen, die in den KOM-Ermittlungen genannt werden — es wurde kein Eintrag gefunden.
Warum ist die Bank-Asya-Abfrage aussagekräftig?
Einer der Punkte auf der Liste sagt für sich genommen mehr aus als die übrigen. Das Protokoll hält auch fest, warum diese Abfrage vorgenommen wurde: Ein Telefongespräch Fethullah Gülens vom 25. Dezember 2013 wurde am 15. Januar 2014 in den nationalen Medien veröffentlicht und kam in der Öffentlichkeit als Anweisung "Zahlt Geld bei der Bank Asya ein" an. Daraufhin wurde eine Liste der Personen erstellt, deren Guthaben bei der Bank zwischen dem 31. Dezember 2013 und dem 24. Dezember 2014 anstieg oder die ein neues Konto eröffneten.
Diese Liste ist eines der am häufigsten herangezogenen Kriterien in den FETÖ-Akten; denn Geld nach dem Tag der Veröffentlichung der Anweisung auf sein Konto einzuzahlen galt als Antwort an die Organisation. Kuytul steht nicht auf dieser Liste. Das Schreiben der Polizei Adana vom 15. März 2017 bestätigt dasselbe Ergebnis auf einem zweiten Weg: Vom 1. Januar 2014 bis zur Schließung der Bank liegt keinerlei Kontobewegung vor.
Warum ist die ByLock-Abfrage darüber hinaus wichtig?
Einer der Punkte im Schreiben der Polizei Adana ist auch ByLock: das Programm, von dem angenommen wird, dass die Organisation es für die geschlossene Kommunikation nutzte. Dieses Kriterium galt in einem Großteil der FETÖ-Akten für sich allein als ausschlaggebend und war in vielen Akten die einzige Grundlage für eine Verhaftung. In der Tabelle im unteren Teil des Schreibens ist neben dem Namen Alparslan Kuytuls eigens vermerkt, dass kein Eintrag vorliegt.
Auch die beiden übrigen Kriterien funktionieren nach derselben Methode. Die HTS-Abfrage sucht nach Telefonkontakten zu den Verdächtigen, gegen die vorgegangen wurde; die Übernachtungsabfrage sucht nach Einträgen in Hotels, die bekanntermaßen von der Organisation nahestehenden Personen genutzt werden. Die gestellte Frage lautet also nicht "Gehört diese Person zur Organisation", sondern "Taucht ihr Name in irgendeiner der Spuren auf, die die Organisation hinterlassen hat". Fünf verschiedene Spuren wurden abgefragt, in keiner einzigen wurde der Name gefunden.
Achtung auf die Reihenfolge: Die Antwort wurde vor der Behauptung geschrieben
Legt man die Daten untereinander, bleibt der Behauptung kein Boden:
- 20. Juli 2016 — der Hinweis wird abgegeben.
- 8. Februar 2017 — die Generalstaatsanwaltschaft Adana ersucht die Polizei zu untersuchen, ob Kuytul FETÖ/PDY nahesteht.
- 15. März 2017 — die Polizei Adana teilt der Staatsanwaltschaft das Ergebnis mit: kein Eintrag.
- 30. Januar 2018 — die Operation wird durchgeführt, dieselbe Behauptung gerät diesmal in den Medien in Umlauf.
Die 2018 wie eine Entdeckung präsentierte Behauptung war also zwei Jahre zuvor in den eigenen Aufzeichnungen des Staates gesucht und nicht gefunden worden.
Er stand ihr ohnehin jahrelang entgegen
Unabhängig von den Dokumenten liegen auch die Aufzeichnungen offen zutage. Kuytuls Kritik an der Gülen-Bewegung reicht bis in die 1990er Jahre zurück; die Konferenz "Unsere Glaubensgrundlagen und der Dialog zwischen den Religionen", die er 2005 in Adana hielt, ist ein offener Einspruch aus der Zeit, in der die Bewegung am stärksten war. Diese Unterscheidung wird unter dem Titel die Behauptung, er stehe auf derselben Linie ausführlich dargelegt.
Fazit
Die Bewertung lautet "Unbegründet", denn die Seite, die das Gegenteil der Behauptung sagt, ist nicht die Furkan-Stiftung, sondern es sind die amtlichen Stellen, die mit der Untersuchung der Behauptung beauftragt waren. Es liegt keine widerlegte Behauptung vor, sondern ein Hinweis, der nie bestätigt werden konnte.
Die Behauptung über die Institution steht auf einer eigenen Seite: die Behauptung "Die Furkan-Stiftung ist ein Teil der FETÖ-Struktur". Alle Dokumente auf dieser Seite stammen aus der Untersuchung von 2016–2017 und sind in der mit der Operation vom 30. Januar 2018 eröffneten Akte enthalten.